Oonaversum – süsse Melancholie

Geisterwelt meiner Kindheit

by on Jul.09, 2012, under Mythologie

Bildquellenangabe: Katharina Wieland Müller / pixelio.de

Bis zum 6. Lebensjahr verbrachten meine Schwester und ich unsere Kindheit in Thailand in einer Welt voller Geister. Seit ich denken kann, begleiten Geistergeschichten unseren Alltag. Es gab sehr verschiedene Arten von Geister, den langen Lulatsch, der von den Thais „ieh breed“ genannt wird, bis hinzu „Gaa suah“ welches  zu den „Phieh dib“ gezählt wird – den lebenden Geistern, eine sehr gefährliche Geisterart, da sie Menschen nicht nur ärgern, sondern körperlich auch richtig schaden können.

Wollten die Erwachsenen nicht, daß wir bei Einbruch der Dunkelheit noch draußen spielen, so hatten sie meist eine Geistergeschichte parat, wie zum Beispiel die von dem Bananenbaum, der von einem Geist bewohnt wird, der  gerne  als  Frau auftritt, um die Kinder in den Baum zu locken, damit sie dort nicht so alleine ist. Beim Versuch den Baum zufällen hätte der Baum so geblutet daß der Gärtner Angst bekam und es sein ließ (erzählt vom Hausmeister des katholischen Internats :-)).

Wir Kinder liebten diese Geschichten, gruselten uns dabei, und bemühten uns  bei Dämmerung rechtzeitig zu Hause zu sein – um dann gemeinsam mit der Familie die damals sehr populäre Geistersendung anzuschauen von dem erwähnten „Gaa suah“. – Das war eine Frau, die von einem Fluch getroffen war, jede Nacht trennte sich ihr Kopf von ihrem Rumpf und der schwebte mit den Eingeweiden verbunden herum und war unterwegs zu den Tieren um sie zu töten und zu essen.

Die Erklärung, warum diese Geister herum spukten, war meist, daß sie zu Lebzeiten entweder etwas Schlimmes angestellt hatten, oder ihnen schlimmes Unrecht widerfahren war,  und man mußte ihnen helfen, das Unrecht wieder gut zumachen. Meistens wußte der Dorfälteste oder Mönche darüber Bescheid, wie sie zu beruhigen waren, oft war Schnaps und Tabak im Spiel, welches Ihnen angeboten werden mußte.

Selbstverständlich waren meine Schwester und ich, wie alle anderen Kinder um uns herum, auch Fans der gezeichneten Geisterliteratur. Jeder bemühte sich, zum Geisterexperten zu werden. Ich hatte im Internat eine Freundin, Miau, die wußte genau mit welchem Budda welcher Geist in die Ewigkeit geschickt –  oder zumindest vertrieben – werden konnte…

Der thailändische  Glühlampen Produzent Sylvania hat hier eine Ansammlung thailändischer Geister in einem Werbespot in lustiger Weise zusamengeführt, die ich Euch nicht vorenthalten möchte, achtet bitte auf die Aussprache der Geisternamen, da sich die thailändische Sprache schlecht in deutsche Schriftzeichen darstellen lässt:

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