Oonaversum – süsse Melancholie

Von den Karten

by on Feb.10, 2013, under Literatur

Bildquellenangabe: Oona

Bildquellenangabe: Oona

Absolut faszinierend ist meine Erinnerung an die erste Kartenlegung, der ich in meinem Leben beiwohnte. In Thailand allgemein unter „duh moah“ bekannt, bedeutet das im Groben „in die Zukunft schauen“ – bei uns in Deutschland „Wahrsagen“ genannt. Es gibt spezielle Menschen, die besonders begabt darin sind, die Karten zu befragen, als Kind bemühte ich mich den Geist zu erblicken, der vielleicht hinter dem Kartenleger stehen könnte, aber vergeblich.

Meine Tante nahm uns Kinder ein paar Mal mit, leider wurden wir dann, wenn es interessant wurde, zum Spielen weggeschickt. Die Karten, die bei den „Zukunftsschauen“ benutzt wurden, waren ganz normale Skat Karten, eigentlich nichts Besonderes, aber je nachdem wie die Karten lagen, schienen sie verschiedene Bedeutungen zu haben, es verwundert glaube ich keinen, dass ich mich in meinem Leben noch sehr viel mit dem Kartenlegen auseinander gesetzt habe.

Tante und der Kartenleger, „moah“ (Gelehrter) genannt, saßen sich am Tisch gegenüber und sie unterhielten sich über dies und das, während die Karten gemischt wurden. Wenn es dann Zeit war, die Räucherstäbchen zu entzünden, mussten wir Kinder das Zimmer verlassen. Natürlich haben wir nie die Türen so zugezogen, als dass wir nicht hätten reinlugen können. Aber außer, dass da viel geredet wurde, passierte meist nichts Spannendes. Lottozahlen oder ähnliches wurden nie vorausgesagt. Trotzdem wohnte dem etwas Geheimnisvolles inne, etwas, das mich brennend interessierte. Steckte die Zukunft in den Karten? Oder im „moah“, der das von Geistern zugeflüstert bekam?

Keine Entscheidungen ohne Beratung
In Thailand ist es Gang und Gäbe, bei allem, was wichtig ist, einen „Wahrsager“ aufzusuchen. Dabei gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen. Die einen arbeiten wohl tatsächlich okkult, d.h. sie nehmen Kontakt mit Geistwesen auf und bekommen die Botschaften über Karten, automatischem Schreiben oder ähnliches übermittelt, die anderen würde ich aus heutiger Sicht eher der Kategorie „Lebensberatung“ zuordnen. Während die Räucherstäbchen brennen, konzentriert sich der Fragende auf seine geistige Führung, wie auch immer er das nennen möchte, damit sein Innerstes im Moment wahrhaftig ist, um offen zu sein für die Antworten. Der „moah“ hilft bei der Interpretation der Karten und somit der eigenen Wahrheitsfindung. Der Lösungsweg zeigt sich meist im Dialog und meine Tante hat bislang keinen einzigen Besuch bereut.

Eigene Erfahrungen
Im Laufe der Zeit habe ich mir verschiedene Legesysteme angesehen und auch legen lassen, und muss sagen, dass ich die Methode des „Fahrenden Volkes“ bislang am faszinierendsten finde. Nicht nur, dass das wahnsinnig empathische Menschen sind, zudem sehr geschickt in der Deutung der Körpersprache, die meisten von ihnen beherrschen die Lenormandlegung mit den Skatkarten auch bis zur Perfektion – oder wenden eigene Methoden an, sodass man selbst sehr geneigt ist, das Schicksal, dass sie einem voraussagen als unabwendbar anzusehen  (was natürlich Humbug ist).

Persönlich habe ich einige Jahre mit den klassischen Lenormandkarten gearbeitet, da ich finde, dass sie die zwischenmenschlichen  Beziehungen sehr gut darstellen und dem Gegenüber seine eigene Rolle in dem ganzen Geflecht hervorragend vor Augen führen. Diverse Ausbildungswege haben mich dann zum Rider Waite Tarot geführt. Hatte ich anfangs für mich selbst noch sehr gute Ergebnisse, langweilten mich die Motive nach einem Jahrzehnt und ich fühlte mich gezwungen, das Deck zu wechseln und bin seitdem bei dem DruidCraft-Tarot verblieben.

Experiment
Seit ungefähr 2 Jahren bin ich etwas „Kartenmüde“ geworden und ziehe diese nur noch unregelmäßig zu Rate. Überraschend kam letzte Woche das Angebot eines lieben, aber doch sehr entfernten Freundes,  mir „von der Ferne“ die Karten zu legen. Das weckte natürlich wieder meinen Forschergeist, denn so etwas hatte ich noch nie gemacht. Würde das funktionieren? Zur Option stand entweder die Legung per Telefon oder per E-Mail, ich entschied mich für das Experiment ohne jegliche Interaktion und gab auch nur grob ein Thema aus einem Lebensbereich vor. Eigentlich hatte ich nicht wirklich eine Frage, ich war einfach nur gespannt was so raus kam.

Bildquellenangabe: Oona 2013

2 Tage später erhielt ich eine ausführliche Legung und ich musste echt lächeln, da er dieselben Karten benutzte, mit denen ich arbeitete. Beim ersten Überfliegen fühlte ich mich recht unberührt und muss gestehen, dass ich, wie die kleine Oona von damals, etwas Bahnbrechendes wie „Du wirst berühmt und sehr viel Geld verdienen“, lesen wollte und natürlich leicht enttäuscht war, da nicht einmal annähernd etwas in der Richtung auftauchte.  Die Enttäuschung hielt sich aber in Grenzen, denn eben so wenig wird jemals ein „Du wirst morgen sterben“, oder „der Blitz wird nächste Woche dein Haus treffen“,  in einer Legung auftauchen. Ich hatte auch gerade sehr viel zu tun und legte die Legung erst Mal zur Seite, bis ich die nötige Ruhe hatte. Die Karten suchte ich mir allerdings schon mal heraus. Als es dann soweit war, bereitete ich mich genauso darauf vor, wie wenn ich zum „duh moah“ ginge. Ich zündete die Räucherstäbchen an, ging in mich und ließ alle Gedanken und Erwartungen ziehen. Dann legte ich die Karten aus, betrachtete jedes Bild und ließ das Ganze wirken. Ich notierte mir die inneren Bilder, die dabei kamen und Gedanken, die in Beziehung mit der Thematik standen, und las dann Gwydions Interpretation der Karten und die Bedeutung der Positionen.

Fazit

Die Karten sind ein hervorragendes Tool zur Selbstreflektion. Natürlich gab es bestimmte Karten, mit denen ich erst einmal gar nichts anfangen konnte, aber je länger ich sie betrachtete, je mehr kamen bestimmte Gedanken und/oder Blockaden dazu hoch und ich konnte an mir selbst arbeiten. Gerade die Wertschätzung zu einem Menschen, der sich so viel Mühe mit der Legung gemacht hat, hat mich dazu motiviert, mich ebenso gebührend mit mir selbst auseinander zu setzen. Eine Selbstlegung fand ich lange nicht so intensiv. Die „wunden Punkte“ wurden aufgedeckt, und so ergaben sich dadurch auch neue Ideen. Der „Schnappschuss“ entsprach in jedem Fall meiner momentanen Situation.

Um die Frage zu beantworten, ob Karten nun die Zukunft vorher sagen, kann ich aus eigener Erfahrung sagen: nein, es sind nicht die Karten. Diese sind einfach nur Hilfsmittel, welche die inneren Bilder eines jeden ansprechen und mögliche Interpretationen anbieten. Die Antworten liegen in einem Selbst. Der Kartenleger übernimmt dabei die Rolle eines „Coachs“ und hilft den Klienten auf seinen Weg. Allerdings will ich nicht verhehlen, dass bei einer Fernlegung durch einen Profi wie Gwydion zusätzlich noch etwas ganz anderes mit eine große Rolle spielt, welches allerdings erst durch jahrelange Ausbildung und konsequentes Training entwickelt werden kann; nämlich die Fähigkeit, sich auf bestimmte Energien so einstellen zu können, dass die Entfernung keine Rolle mehr spielt. Und das macht erst einen richtig guten Kartenleger aus.

Mehr über die thailändische „Wahrsage-Sucht“:
http://www.thailandinformation.de/hellseher-in-thailand-533-pictures.htm
Selbstversuch des Farang-Magazins
http://www.der-farang.com/index.php?article=2010/16/

Gwydions Seite:
http://gwydionblackrose.blogspot.de/

 

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